Was junge Menschen wirklich suchen
- Markus Tappolet

- 4. Dez. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Dieser Artikel zeigt, warum viele junge Menschen heute andere Erwartungen an Arbeit haben, welches Bedürfnis hinter dem Wunsch nach Teilzeit wirklich steckt und wie Unternehmen Räume gestalten können, in denen Zugehörigkeit und Verantwortungsbereitschaft entstehen.
Ein Alltag, der Fragen stellt
Viele Unternehmen erleben derzeit eine Entwicklung, die irritiert. Junge Menschen fragen nach 80-Prozent-Pensen, noch bevor sie richtig gestartet sind. Gleichzeitig suchen Firmen dringend Nachwuchs, besonders in Berufen, die auf Präsenz angewiesen sind.
Was wie ein Konflikt wirkt, ist in Wahrheit ein Missverständnis. Nicht die Arbeitszeit steht im Zentrum, sondern das Bedürfnis, das sich darin ausdrückt.
Die sichtbare Ebene
Unternehmen brauchen Verlässlichkeit und klare Abläufe. Die Jugendlichen suchen Orientierung und Sicherheit in einer Welt, die sich oft unscharf anfühlt. Beide Seiten sprechen über Prozentzahlen, aber beide meinen etwas anderes.
Die darunterliegenden Bedürfnisse
Wer die jungen Menschen verstehen will, muss tiefer schauen.
Sicherheit und Verbundenheit
Sie suchen Orte, an denen sie dazugehören dürfen, ohne sich verstellen zu müssen.
Freiheit und Autonomie
Sie möchten sich entdecken, Entscheidungen mittragen, eigene Wege finden.
Wirksamkeit und Selbsterfahrung
Sie wollen spüren: „Ich kann etwas. Ich zähle.“
Der Wunsch nach 80 Prozent ist selten eine Forderung. Er ist ein Versuch, sich selbst zu schützen, bevor überhaupt klar ist, wie sich der Alltag anfühlt.
Was passiert, wenn…
…ein junger Mensch nicht zuerst über Pensum spricht, sondern über Erfahrung?
Stell dir vor, er kommt für einige Tage in den Betrieb.
Nicht als Besucher.
Nicht als Kandidat.
Als jemand, der einfach miterleben darf, wie Arbeit sich anfühlt.
Er betritt einen Raum, in dem Menschen mit Ruhe arbeiten.
Keine Übertreibung, keine Distanz.
Nur ehrliche Aufmerksamkeit.
Er spürt, dass er willkommen ist –
nicht, weil er etwas leistet,
sondern weil er da ist.
Er beobachtet Mitarbeitende, die selbstverständlich handeln.
Konzentriert, stolz, verbunden mit ihrer Aufgabe.
Er hört Gespräche, sieht Gesten, erlebt eine Haltung, die trägt.
Zwischendurch darf er selbst etwas ausprobieren.
Eine kleine Aufgabe reicht.
Ein kurzer Moment von Wirkung genügt.
„Ich kann das.“
Mehr braucht es nicht.
Er stellt Fragen.
Er bekommt Antworten.
Seine Unsicherheit muss nichts verstecken.
Und am Ende dieses Tages entstehen innere Bilder, die er vorher nicht hatte:
Bilder von Zugehörigkeit.
Bilder von Orientierung.
Bilder von echter, ruhiger Arbeit.
Dann verändert sich etwas.
Das 80-Prozent-Thema verliert an Bedeutung.
Nicht durch Argumente –
sondern weil das Bedürfnis dahinter gestillt wurde.
Warum diese Erfahrung wirkt
In meinem Artikel „Die unbewusste Unternehmensführung“ zeige ich, dass Menschen nicht durch Worte lernen, sondern durch Atmosphäre, Resonanz und gelebte Muster. Diese Erfahrung knüpft genau dort an.
Und „Selbstorganisation verstehen“ beschreibt, dass Orientierung, Freiraum und Rückkopplung der Nährboden für Verantwortung sind. Auch das wird hier erfahrbar, ohne ein Konzept zu bemühen.
Der Jugendliche muss nicht überzeugt werden. Er erlebt etwas, das seine inneren Bilder verändert. Und innere Bilder steuern Verhalten.
Ein neuer Blick für Unternehmen
Unternehmen müssen ihre Strukturen nicht umbauen. Sie müssen keine neuen Modelle einführen. Sie müssen nicht über Pensum diskutieren.
Was sie gestalten können, ist ein Raum, in dem junge Menschen erkennen:
Hier bin ich willkommen.
Hier darf ich wachsen.
Hier macht mein Beitrag Sinn.
Wenn diese Erfahrung gelingt, entsteht Bereitschaft. Zugehörigkeit wird spürbar. Und mit ihr die Motivation, Verantwortung zu übernehmen, auch in einem 100-Prozent-Pensum.
Nicht durch Druck.
Nicht durch Argumente.
Sondern durch Begegnung.






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